Der Heilsweg in Christus

Der Heilsweg in Christus

Wir konnten in der letzten Ausgabe sehen, wie der Mensch in Sünde gefallen ist, was Sünde ist und welche Konsequenzen die Sünde mit sich bringt. Die Heilige Schrift zeigt schonungslos auf, wie verdorben der Mensch durch die Sünde ist, und was die schrecklichen Konsequenzen seines Ungehorsams gegenüber Gott sind. In Anbetracht dieser unerträglichen Tatsachen sollte alles in uns aufschreien und fragen: „Gibt es Hoffnung?“ „Gibt es Vergebung der Sünden und Versöhnung mit Gott?“ Die Antwort lautet: „Ja, es gibt Hoffnung; ja, du kannst mit Gott versöhnt werden und zwar durch den Glauben an Seinen Sohn Jesus Christus!“ Es heißt in Johannes 3,16: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“

Gott sandte Seinen Sohn in diese Welt, damit Dieser die Welt, den Kosmos und alle Erwählten mit Gott versöhnt. Christus kam in die Welt, um das wiederherzustellen, was Adam durch seine Sünde zerstört hat. Christus kam in die Welt, um die Werke des Satans zu zerstören. Er kam in die Welt, um den Satan, die Sünde und den Tod ein für alle Mal zu vernichten.

Hierbei entsteht nun die berechtigte Frage: Wie kann dieses vollbrachte Erlösungswerk von Jesus Christus dir und mir zugutekommen? Wie hat Gott in Jesus Christus einen Weg geschaffen, den Menschen mit Sich selbst zu versöhnen? Mindestens vier bedeutende Tatsachen spielen hier eine Rolle, auf die wir nun im Einzelnen eingehen wollen.

1. Die göttliche Natur Jesu

Der Sohn Gottes, die zweite Person des dreieinigen Gottes, wird Mensch und nimmt die gleiche Natur an wie du und ich. Doch es ist nicht so, dass Jesus aufhörte Gott zu sein, als Er Mensch wurde. Im Gegenteil: Er blieb Gott in Seinem ganzen Wesen und wurde gleichzeitig Mensch im wahrsten Sinne des Wortes. Aus diesem Grund sagt Paulus auch über Jesus: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ (Kol. 2,9) In Ihm, in dem Menschen Jesus Christus, wohnt die ganze Fülle – also die vollkommene göttliche Natur – leibhaftig. Als der Sohn Gottes Mensch wurde, hörte Er nicht auf, Gott zu sein. Im Gegenteil: Er wurde 100 % Mensch und ist gleichzeitig 100 % Gott geblieben. Diese beiden Naturen haben sich nun in einer Person vereint. Im Baptistischen Glaubensbekenntnis von 1689 wird es so ausgedrückt:

»So sind die beiden vollständigen, vollkommenen und unterschiedlichen Naturen untrennbar in einer Person vereinigt, ohne Verwandlung, Zusammensetzung oder Vermischung. Diese Person ist wahrer Gott und wahrer Mensch, doch nur ein Christus, der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen.«

Jesus war also der ewige Gott und wurde vor 2000 Jahren als Mensch geboren. Doch der große Unterschied zwischen der menschlichen Natur von Jesus und der eines jeden anderen Menschen ist, dass Er ohne Sünde war. Dies belegt uns das Wort Gottes an vielen Stellen. Wir lesen in Hebräer 4,15: „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.“

Das Geheimnis der Sündlosigkeit Jesu liegt darin, dass Er nicht wie du und ich von Adam abstammte. Jesus wurde nicht wie du und ich auf normalem Wege gezeugt, sondern durch den Heiligen Geist. (Matth.1,20) Denn jeder, der von Adam abstammt, hat die sündhafte Natur Adams geerbt. Weil Jesus jedoch nicht von Adam abstammt, sondern durch den Heiligen Geist gezeugt wurde, erbte Er nicht die sündige Natur Adams. Somit halten wir fest: Jesus Christus ist vollkommen Mensch und vollkommen Gott in einer Person. Weil Er jedoch nicht direkt von Adam abstammte, hatte Er eine sündlose Natur. Aus diesem Grund ist die Jungfrauengeburt von Maria von größter Bedeutung. Viele liberale Theologen wollen die Jungfrauengeburt von Maria revidieren und behaupten, dass sie lediglich eine „Junge Frau“ gewesen sei. Doch gerade die Jungfrauengeburt bestätigt uns die göttliche Natur unseres Retters.

2. Das gehorsame Leben Jesu

Als wir uns mit dem Wesen des Menschen beschäftigten, haben wir gesehen, dass Gott den Menschen unter das Gesetz Seines Schöpfers geschaffen hat. Das heißt: Es gab gewisse Ordnungen, an die sich Adam und Eva halten sollten. Dieses Gesetz haben sie übertreten und gebrochen. Als Gott das Volk Israel aus Ägypten befreite, führte Er sie zum Berg Sinai, um ihnen dort das mosaische Gesetz zu geben. Auch für dieses Gesetz galt: Wer das Gesetz hält, wird dadurch leben: „Und meine Satzungen und meine Rechte sollt ihr halten, durch die der Mensch, wenn er sie tut, leben wird. Ich bin der HERR.“ (3. Mose 18,5)

Doch offensichtlich schafft es kein Mensch, dieses Gesetz vollkommen zu halten. Jakobus lehrt uns: „Denn wer irgend das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.“ (Jak. 2,10) Dort, wo Adam gescheitert ist, ebenso das Volk Israel, und wo jeder Mensch scheitert, war Jesus Christus siegreich. Denn Er hat das gesamte Gesetz Gottes gehalten. Er hat alle Forderungen und Gebote Gottes vollkommen erfüllt. Es heißt in Gal. 4,4-5: „Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die, die unter Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen.“

Jesus Christus musste Mensch werden, um als Mensch das ganze Gesetz Gottes zu halten. Denn um ein vollkommener Mittler zwischen uns und Gott zu sein, musste Er für uns das Gesetz halten. Aus diesem Grund werden uns in der Schrift Adam und Christus gegenübergestellt. Der Ungehorsam des ersten Adam wird dem Gehorsam des zweiten Adam, Jesus Christus, gegenübergestellt. Röm. 5,19 zeigt uns auf, was durch die Sünde Adams geschehen ist, und was durch den Gehorsam Christi. Wir lesen dort: „Denn so wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen in die Stellung von Sündern versetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten versetzt.“ Jesus lebte also das Leben, das du und ich leben müssten, um vor Gottes Gericht bestehen zu können. Doch Christus lebte nicht nur das Leben, das wir nicht leben können, Er starb auch den Tod, den jeder von uns verdient hätte.

3. Der stellvertretende Tod Jesu

Das Gesetz Gottes fordert nämlich nicht nur vollkommenen Gehorsam von dem Menschen. Es fordert auch Strafe für das Brechen der Gebote Gottes. Die Strafe für das Brechen der Gebote Gottes ist der Tod, die Verdammnis, die ewige Hölle unter dem Zorn Gottes. Es heißt wiederum in Römer 6,23: „Der Sünde Lohn ist der Tod.“ Damit Jesus uns also mit Gott versöhnen und ein vollkommener Mittler sein konnte, war es nicht ausreichend genug, dass Er für uns das Gesetz gehalten hat. Er musste auch die Strafe für unseren Ungehorsam tragen, um uns mit Gott zu versöhnen. Unser Ungehorsam dem Gesetz Gottes gegenüber, verlangte eine gerechte Strafe. Das gerechte Wesen Gottes kann nicht einfach über unsere Sünden hinwegsehen. Daher entschied Jesus sich dazu, deinen und meinen Platz einzunehmen und den Tod zu sterben, den wir verdient hätten.

Er hat sich freiwillig dazu entschieden, deine Sünde auf Sich zu nehmen, für dich verflucht zu werden und für die Sünden Seines Volkes von Seinem Vater bestraft zu werden. Ja, Er erlitt sowohl an Seiner Seele, als auch an Seinem Leib unerträgliche und unvorstellbare Qualen. Deswegen kann Paulus auch in 2. Korinther 5,21 sagen: „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.“

Obwohl Jesus sündlos war, behandelte Gott der Vater Ihn rechtmäßig als Sünder. Und obwohl wir Sünder sind, behandelt Gott uns rechtmäßig als sündlos. Durch Seinen Tod am Kreuz für Sünder erfüllte Christus also auch die strafmäßige Forderung des Gesetzes. Er lebte also das gehorsame Leben für uns, das wir nicht leben konnten. Und er nahm die Strafe auf sich, die wir aufgrund unserer Sünde verdient hätten.

Diese unvorstellbare und unverdiente Liebe, die Christus dem Sünder hier zeigt, wird durch den Puritaner John Flavel auf eindrückliche Weise beschrieben. Er beschreibt, wie das Gespräch zwischen dem Vater und dem Sohn in Bezug auf Sünder ausgesehen haben könnte:

Vater: Mein Sohn, hier ist eine Gruppe armseliger und erbärmlicher Seelen. Sie haben sich selbst völlig zugrunde gerichtet und sind nun meiner Gerechtigkeit ausgeliefert. Meine Gerechtigkeit verlangt nach einer Bezahlung für sie oder sie finden ihre Genugtuung in ihrem ewigen Untergang. Was soll nun für diese Seelen getan werden?

Und so erwidert Christus.

Sohn: Oh, mein Vater, ich empfinde für sie solch eine Liebe und ein Mitleid, dass ich für sie als Bürge verantwortlich sein will, bevor sie für ewig umkommen. Bringe mir all deine Rechnungen, damit ich sehe, was sie dir schulden. Herr, bringe mir alle, damit es keine Schulden mehr geben wird. Fordere es von meiner Hand. Lieber will ich deinen Zorn erleiden, als dass sie es tun. Auf mir, mein Vater, auf mir sei all ihre Schuld.

Vater: Aber, mein Sohn, wenn du für sie bürgst, dann musst du damit rechnen, alles bis auf den letzten Cent zu zahlen. Erwarte keine Abmilderung. Wenn ich sie verschonen soll, werde ich dich nicht verschonen.

Sohn: Einverstanden, Vater! So soll es sein! Stelle alles mir in Rechnung. Ich kann es bezahlen. Auch wenn es mir den Ruin einbringt und mich all meine Reichtümer und Schätze kostet, bin ich dennoch bereit für sie einzustehen.1

Wir sehen also, wie notwendig die Menschwerdung, die Sündlosigkeit und das gehorsame Leben Jesu für unsere Errettung ist. Wenn wir jedoch hier stehen bleiben würden, hätten wir immer noch keine vollkommene Errettung. Wäre Jesus im Grab geblieben, wäre Er kein vollkommener Mittler gewesen. Seine Auferstehung war ebenso notwendig wie Sein Tod, um uns mit Gott zu vermitteln.

4. Die glorreiche Auferstehung Jesu

Die Auferstehung ist eine grundlegende Lehre des Christentums – ohne die wir keine Hoffnung hätten. Deswegen folgert Paulus in 1. Korinther 15,17: „Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig; ihr seid noch in euren Sünden.“ Daher glauben wir, dass Jesus leibhaftig am Kreuz gestorben ist und begraben wurde – auch, dass Er nach drei Tagen von den Toten auferstanden ist. Das heißt, dass Sein Körper noch nicht angefangen hatte, zu verwesen. (Apg. 2,31)

Wenn Christus nicht von den Toten auferstanden wäre, hätten unsere Sünden nicht vergeben werden können. Denn wenn Er nicht von den Toten auferstanden wäre, wäre dies ein Zeichen, dass der Tod Gewalt über Ihn hat. Dies wiederum würde beweisen, dass Jesus Sünde an Sich gehabt hätte. Doch weil Jesus ohne Sünde war, konnte der Tod Ihn nicht halten. Deshalb konnte Jesus von den Toten auferstehen. Und indem Jesus von den Toten auferstanden ist, bewies Gott der Vater, dass Er das Opfer Seines Sohnes angenommen hat und die Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllt wurde. Diese Wahrheit wird in Römer 4,25 deutlich, wo Paulus über Jesus sagt: „…der unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist.“

Jesus wurde für unsere Übertretungen des Gesetzes gekreuzigt. Doch damit Seine Gerechtigkeit, Sein sündloses Leben uns übertragen werden konnte, musste Gott Ihn aus den Toten auferwecken. Und nachdem Jesus aus den Toten auferstanden war, ist Er in den Himmel aufgefahren und hat sich zur Rechten Seines Vaters auf den Thron gesetzt. Mit anderen Worten: Christus ist an den Ort zurückgekehrt, von dem Er gekommen war. Doch nun sitzt Er auf dem Thron als Gott und Mensch vereint in einer Person und regiert von diesem Thron aus die ganze Erde. Ihm ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben.

Um also zu unserer Anfangsfrage zurückzukehren: Was hat Jesus getan, um uns mit Gott zu versöhnen?

Christus hat eine vollkommene Erlösung erwirkt und ist ein vollkommener Mittler zwischen Gott und Mensch geworden, indem Er die gleiche Natur angenommen hat wie wir Menschen – nur ohne Sünde. Er hat für uns das ganze Gesetz gehalten, die Strafe getragen, die das Gesetz fordert, ist für uns aus den Toten auferstanden, hat sich zur Rechten Gottes gesetzt und setzt sich somit nun für immer für Seine Erkauften vor Gott ein: „Daher vermag er diejenigen auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er allezeit lebt, um sich für sie zu verwenden.“ (Hebr. 7,25)

Ein Artikel von Richard Friesen
Pastor der EBC Waiblingen

  1. Zitiert in: Paul Washer – Die Kraft der Evangeliumsbotschaft (3L, 2015), S.282-283 ↩︎