„Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ (Markus 1,15)
In der letzten Ausgabe haben wir uns über den Heilsweg in Christus Gedanken gemacht. Dabei haben wir gelernt, dass Gott in der Person und durch das Werk Christi einen Heilsweg geschaffen hat, um Sünder mit sich selbst zu versöhnen. Der Sohn Gottes wurde Mensch in Jesus Christus, Er lebte ohne Sünde und erfüllte somit das Gesetz Gottes, nahm stellvertretend die Sünden seines Volkes auf sich und erlitt am Kreuz den Zorn Gottes. Er wurde begraben und ist am dritten Tag von den Toten auferstanden. Kurz gesagt: Christus wurde um „unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt.“ (Röm 4,25)
Wie jedoch kann dieses vollbrachte Erlösungswerk dir und mir zugutekommen, sodass uns dadurch unsere Sünden vergeben werden? Wie kann diese Gerechtigkeit, die Jesus durch sein Leben und sein Sterben erwirkt hat, dir und mir übertragen werden? Auf diese zentralen Fragen beabsichtigen wir in diesem Artikel einzugehen. Dabei wollen wir auf folgende drei Aspekte eingehen:
Die Pflicht und Tugend von Buße und Glauben
In dem New-Hampshire-Glaubensbekenntnis heißt es in Artikel VIII: „Wir glauben, dass Buße und Glaube heilige Pflichten und auch untrennbare Tugenden sind.“ Eine Pflicht ist etwas zu tun, was von einem gefordert wird. Das Wort Tugend bezeichnet in der Ethik eine als wichtig und erstrebenswert geltende Charaktereigenschaft, die eine Person befähigt, das sittlich Gute zu verwirklichen. D. h., Buße und Glauben sind beides Handlungen, die von der Schrift her gefordert und geboten werden. Es sind beides heilige, also reine und besondere Pflichten. Zugleich sind es auch erstrebenswerte Handlungen.
Dass es die Pflicht aller Menschen ist, Buße zu tun und zu glauben, wird durch Apg. 17,30 deutlich, wo Paulus in Athen zu den Griechen sagt: „Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen.“ Ebenso müssen wir hier die Worte unseres Herrn Jesus zitieren, wenn er in Lk 13,23-24 sagt: „Es sprach aber jemand zu ihm: Herr, sind es wenige, die errettet werden? Er aber sprach zu ihnen: Ringt danach, durch die enge Tür einzugehen; denn viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen und es nicht vermögen.“
Das Wort „ringen“ bedeutet auch „kämpfen“. Das heißt, man sollte sich darum bemühen, echte Buße und echten Glauben in seinem Leben zu erfahren. Der Text sagt uns, dass es viele geben wird, die zwar durch die Türe eingehen wollen, es aber nicht schaffen. Das heißt, viele, die das Evangelium hören, finden gut, was sie hören, und würden gerne in den Himmel kommen, doch gehorchen sie der Aufforderung Gottes nicht, Buße zu tun. Andere wiederum wollen nicht nur in den Himmel, sondern sie ringen auch darum, durch die enge Pforte zu gehen, indem sie den Befehlen des Evangeliums gehorchen und Buße tun.
Nun, wie wir gleich sehen werden, ist dies kein Werk, das der Herr von uns fordert, wodurch wir uns selbst retten. Diese Pflichten und Aufforderungen machen jedoch deutlich, dass der Mensch verantwortlich ist, wie er auf diese Gebote reagiert. Und wenn wir auf diese Befehle Gottes reagieren, dann offenbart dies nicht unsere eigene Fähigkeit und Kraft, uns zu retten. Vielmehr wird dadurch die Gnade Gottes offenbart, die uns dazu fähig macht, zu ringen, und diese Pflichten anzunehmen. Wie wir nun im zweiten Punkt sehen werden:
Der Urheber von Buße und Glauben
Das Bekenntnis fügt hinzu, dass Buße und Glauben „durch die Erneuerung des Heiligen Geistes in unserer Seele gewirkt werden.“ Der Grund, wieso ein Mensch getrennt von dem Wirken des Heiligen Geistes weder Buße tun noch glauben kann, liegt in seiner verdorbenen Natur. Auf die verdorbene Natur des Menschen sind wir bereits in einem gesonderten Artikel eingegangen.
Weil der Mensch feindlich gesinnt ist gegen Gott und weil der Mensch geistlich tot ist, kann er von sich aus nicht positiv auf das Evangelium reagieren. Im Gegenteil: Weil er die Sünde liebt, und Gott hasst, wird er sich immer gegen Gott und für die Sünde entscheiden. Aus diesem Grund muss der Heilige Geist einen Sünder von der Schönheit Christi überzeugen, damit er sich von der Sünde abwenden und Christus zuwenden kann. Erst wenn der Geist Gottes einem Sünder seine Sünden aufzeigt, und ihm die Augen für Christus und sein Erlösungswerk öffnet, ist der Mensch in der Lage, Buße zu tun und zu glauben. Gott muss also unterschiedliche Dinge im Leben eines Menschen wirken, damit dieser Buße tun und an Christus glauben kann.
In der Theologie spricht man von einer sogenannten Heilsordnung, oder auch von der Reihenfolge der Errettung. Der Fachbegriff dafür ist die „ordo salutis“. Diese Reihenfolge der Errettung beinhaltet erstens die wirksame Berufung durch Gott, sodann die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist, anschließend die Bekehrung des Sünders (Buße und Glaube), dann die Rechtfertigung und schließlich die Verherrlichung.
Lasst mich diese ordo salutis hier kurz beispielhaft darstellen. Also: Der Sünder hört das Evangelium und Gott ruft ihn mit seinem effektiven und unwiderstehlichen Ruf zur Umkehr. Daraufhin wirkt der Geist Gottes in ihm die Wiedergeburt, indem er sein totes Herz lebendig macht, und ihm ein neues Herz gibt. Dadurch wird er befähigt, Buße zu tun und an Christus zu glauben. Durch die Buße und den Glauben empfängt der Sünder dann die Gerechtigkeit Christi. Und schließlich wird er eines Tages verherrlicht werden.
Diese ordo salutis, die Reihenfolge der Errettung, wird vor allem durch Römer 8,29-30 bekräftigt, wo es heißt: „Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.“
All das ist das Wirken des Heiligen Geistes im Leben eines Menschen. Er ist der Urheber von Buße und Glaube. Nachdem wir diese wichtigen Wahrheiten von der Pflicht und von dem Urheber von Buße und Glaube betrachtet haben, wollen wir nun intensiver auf die Auswirkungen von diesen Pflichten eingehen:
Die Auswirkungen von Buße und Glauben
In dem Glaubensbekenntnis heißt es weiter: „wodurch wir uns, tief von unserer Schuld, Unsicherheit und Hilflosigkeit betroffen und vom Heilsweg Christi überzeugt, zu Gott wenden mit ungeheuchelter Reue, Bekennen unserer Sünden und Flehen um Barmherzigkeit und zugleich nehmen wir herzlich den Herrn Jesus Christus als unseren Propheten, Priester und König an und verlassen uns auf Ihn allein als unseren Erlöser.“
Was passiert also, wenn der Heilige Geist uns befähigt, Buße zu tun und zu glauben? Im ersten Teil wird uns die Buße beschrieben, im zweiten Teil der Glaube.
1. Die Beschreibung der Buße
Das Erste, was hier genannt wird, ist, dass wir tief von unserer Schuld, Unsicherheit und Hilflosigkeit betroffen sind. Das heißt, der Heilige Geist wirkt in uns, dass wir sowohl erkennen, dass wir Sünder sind, schenkt aber zugleich auch ein Bewusstsein, dass uns unsere Sünden verdammen. Er macht uns deutlich, dass uns unsere Sünden von einem heiligen Gott trennen, was zur Folge die ewige Verdammnis mit sich trägt.
Aber der Geist Gottes bleibt hier nicht stehen, sondern schenkt uns mit der Sündenerkenntnis zugleich auch die Überzeugung, dass wir in Christus einen Ausweg bekommen haben. Dass dies das Wirken des Heiligen Geistes ist, erklärt Jesus in Johannes 16, als er seinen Jüngern erklärt, dass der Sachwalter kommen wird, wenn Jesus nicht mehr da ist. Und die Aufgabe von diesem Sachwalter, dem Heilige Geist, wird in V.8 beschrieben: „Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht.“
Dieser Heilige Geist ist gekommen, nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist. Die erste Gemeinde erlebte das Ausgießen des Heiligen Geistes zu Pfingsten auf besondere Weise. Und wie dieser Sachwalter die Menschen von ihren Sünden, und von der Gerechtigkeit, die in Christus zu finden ist, überzeugte, wird uns auf besondere Weise in Apg. 2 beschrieben. Nachdem Petrus gepredigt hat, wirkte der Heilige Geist so sehr im Herzen der Menschen, dass wir in v.37-38 lesen: „Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus aber spricht zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Wenn der Heilige Geist uns also von unseren Sünden überführt hat, sind wir fähig, Buße zu tun, wie es in dem Bekenntnis weiter heißt: zu Gott wenden mit ungeheuchelter Reue, Bekennen unserer Sünden und Flehen um Barmherzigkeit.
Es kann also eine geheuchelte, eine gespielte, eine unechte Reue über unsere Sünden geben. Aber die Auswirkung von einer gottgewirkten Buße ist eine echte, ungespielte Reue und Trauer über das, was wir durch unsere Sünden getan haben. Ebendarum bekennen wir Gott dann auch unsere Sünden. Das Wort „bekennen“ kann auch übersetzt werden mit „zusagen“ oder „das Gleiche sagen“.
Seine Sünden zu bekennen, bedeutet also, dem zuzustimmen, was wir durch den Heiligen Geist erkannt haben. Ja, ich bin ein Sünder, ja, ich habe gegen Gott gesündigt, ja, ich habe die Verdammnis verdient, ja, ich bekenne, dass ich schuldig bin. Aber hier bleiben wir nicht stehen, denn nachdem wir Reue empfunden und unsere Sünden bekannt haben, flehen wir auch um Barmherzigkeit. Wir bitten Gott, dass er uns vergibt, dass er uns begnadigt, dass er nicht mit uns nach unseren Sünden handelt. Haben wir hier nicht ein wunderbares Bild von dem Zöllner, der im Tempel steht, von dem Jesus in Lukas 18,13 sagt: „Der Zöllner aber, von fern stehend, wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und sprach: O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus vor jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
Das ist also eine gottgewirkte Buße. Ein Überführtsein, eine Trauer, ein Bekennen seiner Sünden und ein Flehen um Barmherzigkeit. Doch das allein reicht nicht aus, zudem müssen wir Christus im Glauben ergreifen, wovon im zweiten Teil des Bekenntnisses die Rede ist.
2. Die Beschreibung des Glaubens
Hier wird klar definiert, an wen wir glauben müssen, wen wir annehmen müssen, um gerettet zu werden. Zunächst wird hier der Herr Jesus Christus genannt. Das heißt, es findet ein Herrschaftswechsel in unserem Leben statt. Zuvor waren der Satan und die Sünde unser Herr, wir waren Sklaven des Satans und der Sünde, und wir folgten unserem Herrn. Nun wenden wir uns von dieser Herrschaft ab, und nehmen Christus als unseren neuen Herrn an. Nun soll er unser Leben bestimmen, sein Wille, seine Verordnungen, seine Gebote sind nun die Norm, nach der wir unser Leben ausrichten. Zudem nehmen wir Jesus auch als unseren Propheten, als unseren Priester und als unseren König an. Als unser Prophet lehrt Christus uns seine Wege. Das heißt, wir glauben allem, was er uns in seinem Wort sagt, wir nehmen es demütig an und befolgen das, was er uns sagt. Als unser Priester vermittelt er uns mit Gott. Das heißt, wir glauben daran, dass wir weder durch einen Menschen noch durch uns selbst zu Gott kommen, sondern allein durch Jesus. Er vermittelt uns mit Gott, er bringt unsere Gebete zu Gott. Und als unser König regiert Jesus nun über uns. Und wir akzeptieren seine Regierung über uns, wir erfreuen uns an seiner Regierung und wir unterordnen uns seiner Regierung. Und schließlich verlassen wir uns auf diesen Jesus allein als unseren Erlöser. Dass er uns durch sein Blut losgekauft hat, und seinem Vater das Lösegeld bezahlt hat, indem er stellvertretend für unsere Sünden am Kreuz bezahlt hat.
Nun, ich bin mir dessen bewusst, dass ein Mensch, der von seiner Sünde überführt wird, nicht gleich solch eine vollständige Erkenntnis über Jesus Christus bekommt. Dennoch glaube ich, dass der Geist Gottes dem Sünder bei der Wiedergeburt diesen rettenden Glauben an Christus schenkt. Das heißt, ein Sünder weiß bei seiner Wiedergeburt nicht alles, aber nimmt im Laufe seines Lebens an Erkenntnis zu und glaubt alles, was die Bibel über Christus sagt. Aber das sind die Auswirkungen von Buße und Glaube. Der Geist Gottes wirkt so kräftig im Leben eines Sünders, dass er völlig überzeugt und betrübt von seiner Sünde bei Gott um Gnade fleht, und Christus als seinen Herrn und Erlöser annimmt. Auch wenn die Wiedergeburt ein einmaliger Akt des Geistes ist, ist eine fortlaufende Buße und ein ausharrender Glaube ein Zeichen echter Wiedergeburt.
Ein Artikel von Richard Friesen
Pastor der EBC Waiblingen