Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
(2 Korinther 13,13)
Eine der grundlegendsten Wahrheiten des christlichen Glaubens besteht darin, dass Gott einer ist, und gleichzeitig aus drei Personen besteht. Diese Lehre nennt man auch die Trinitätslehre. Das Wort „Trinität“ kommt von dem lateinischen Wort „trinitas“ und bedeutet „Dreizahl“. Dieser Begriff wird nirgends in der Bibel verwendet, sondern wurde zuerst von dem Kirchenvater Tertullian gebraucht. Dennoch beschreibt dieser Begriff sehr präzise was die Bibel über die dreieinige Natur von Gott lehrt. Obwohl Gott einer ist existiert er als drei Personen: Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist. Es sind drei einzelne Personen, welche die gleiche göttliche Natur und das gleiche göttliche Wesen haben, und doch bilden diese drei Personen den einen wahren Gott der Bibel. John MacArthur definiert die Lehre der Trinität, indem er sagt: „dass Gott absolut und ewig ein Wesen ist, das in drei unterschiedliche und geordnete Personen besteht ohne Teilung und ohne Kopie des Wesens.“1
Die Lehre der Trinität übersteigt die Fähigkeiten unseres menschlichen Verstandes. Dies sollte jedoch kein Grund dafür sein, diese Lehre zu verwerfen, oder nicht an sie zu Glauben. Nur weil wir etwas nicht verstehen, bedeutet es noch lange nicht, dass es nicht wahr ist. Denn „unser Glaube basiert nicht auf unserem Verstand, sondern auf das wahrhaftige Zeugnis der Heiligen Schrift“.2 Daher sagte der deutsche Reformator Martin Luther richtig: „Unser Verstand fasst nicht, wie ein ununterschiedenes Ding drei unterschiedene Dinge sein kann. Darum muss man jedes mathematische und kreatürliche Denken ausschließen, wo es um den Glauben an Gott geht.“3 Deshalb müssen wir, wie auch bei unserem Studium über das Wesen Gottes im letzten Artikel, auch dieses Mal das Zeugnis der Schrift untersuchen, und mit kindlichen Glauben die Wahrheiten der Schrift annehmen.
So wollen wir die Lehre der Trinität nun demütig, unter Gebet erforschen, indem wir zunächst auf die Einheit Gottes, zweitens auf die Dreieinheit Gottes, und schließlich auf die Unterschiedenheit der drei Personen eingehen wollen.
1. Gott ist einer
Die Einheit Gottes bezieht sich zum einen darauf, dass es außer Gott keinen anderen Gott gibt, dass Er der einzige Gott ist. Dass Gott der einzige und alleinige Gott ist, sollten die Juden sich und ihren Kindern regelmäßig vor Augen führen: „Höre, Israel: Der HERR, unser Gott, ist ein HERR!“ (5. Mose 6,4) Zudem proklamiert Gott selbst diese Wahrheit: „So spricht der HERR, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott.“ (Jes 44,6) Gott selbst erklärt, dass es außer Ihm keinen Gott gibt. Auch Jesus bezeugt diese Tatsache, als er betete: „Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ (Joh 17,3) Gott ist der alleinige, oder auch der einzig wahre Gott. Wenn Gott also der einzige Gott ist, dann sind wir als Seine Geschöpfe verpflichtet, Ihn alleine anzubeten, Ihm zu gehorchen und Ihm zu dienen.
Die Einheit Gottes bezieht sich aber nicht nur darauf, dass Gott der einzige Gott ist. Sie bezieht sich zum anderen auch darauf, dass Gott in Seinem Wesen eine ungeteilte und vollkommene Einheit bildet. Anders ausgedrückt: Gottes Einheit bedeutet, dass Er frei von jeder Zusammensetzung ist. Wir dürfen nicht denken, dass die Eigenschaften Gottes wie einzelne Puzzleteile zu Gott gehören. Das würde bedeutet, Gott wäre keine Einheit, sondern geteilt. Vielmehr sind Seine Eigenschaften identisch mit Seinem Wesen.4 Alle Seine Eigenschaften und Vollkommenheiten bilden daher zusammen das Wesen Gottes. Weil Gott eben in Seinem Wesen nicht geteilt, sondern eine vollkommene Einheit bildet, ist Er allein der ewige, unveränderliche und allmächtige Gott.
2. Gott ist dreieinig
Neben dieser deutlichen Einheit Gottes, bestätigt die Schrift ebenso deutlich, dass dieser eine Gott in drei Personen unterschieden wird. Als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Bevor wir diese Wahrheit gleich anhand des Alten und Neuen Testamentes belegen, ist es wichtig zu betonen, dass die Einheit Gottes der Lehre der Trinität nicht widerspricht. Gott ist nicht aus drei unterschiedlichen Personen zusammengesetzt, dies würde wiederum bedeutet das Gott geteilt wäre. Vielmehr besteht das eine, ungeteilte Wesen Gottes in allen drei Personen gleichermaßen.
Hinweise auf die Trinität im Alten Testament
Bereits die ersten Verse der Bibel geben einen Hinweis darauf, dass dieser eine Gott aus mehreren Personen besteht. So lesen wir in 1. Mose 1,2: „Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ Hier ist ein Hinweis auf die dritte Person Gottes, der Heilige Geist. Einige Verse später lesen wir von der Erschaffung des Menschen, wo es heißt: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserem Bild, nach unserem Gleichnis.“ (1. Mo 1,26) Das Wort „uns“ oder „unserem“ gibt uns einen Hinweis darauf, dass Gott aus mehreren Personen besteht. Auch Psalm 110,1 gibt uns einen Hinweis darauf, dass Gott aus mehreren Personen besteht: „Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße!“ David spricht hier von dem Herrn (Jahwe) der zu seinem Herrn (adon) spricht. Hier spricht also Gott der Vater, zu Gott dem Sohn. Auch wenn diese und viele andere Stellen nicht klar über die Trinität sprechen, geben sie uns wichtige Hinweise für diese Lehre.
Belege der Trinität im Neuen Testament
Dort wo wir im Alten Testament lediglich Hinweise auf die Trinität bekommen, liefert uns das Neue Testament klare Belege für die Trinität. Dies wird gleich zu Beginn des Wirkens Jesu bei Seiner Taufe deutlich. Hier werden uns alle drei Personen der Gottheit genannt: „Als Jesus aber getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden ihm aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herniederfahren und auf ihn kommen. Und siehe, eine Stimme ergeht aus den Himmeln, die spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ (Mt 3,17) Bei der Taufe Jesu sind alle drei Personen der Gottheit involviert. Der Sohn Gottes wird getauft, woraufhin der Geist Gottes auf Ihn kommt und die Stimme Gottes des Vaters ergeht aus dem Himmel. Zudem bestätigt Jesus diese Lehre selbst, indem Er im Missionsbefehl sagt: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Mt 28,19) Der Täufling soll auf alle drei Personen der Gottheit getauft werden. Schließlich bestätigt der Apostel Paulus die Trinität in seinem abschließenden Gruß an die Korinther: „Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2. Kor 13,13) Hier ist von der Gnade Jesu, der Liebe Gottes, und der Gemeinschaft des Heiligen Geist die Rede. Wir sehen also, im Alten Testament war die Lehre der Trinität noch etwas verdunkelt, wohingegen das Neue Testament volles Licht auf diese Lehre wirft.
Daher können wir sagen, dass die Hinweise im Alten und die Belege im Neuen Testament zweifellos für die Trinitätslehre sprechen. Dennoch gibt es viele Menschen welche die Gottheit Jesu, oder auch die Gottheit des Geistes leugnen. Daher wollen wir Ihre Gottheit nun gesondert belegen.
Die Gottheit des Sohnes
Jesus belegt seine Gottheit zu Beginn seines Wirkens, indem er einem gelähmten die Sünden vergibt. Die Schriftgelehrten folgerten richtig, dass eigentlich nur Gott Sünden vergeben kann. Jesus erkannte die Gedanken der Schriftgelehrten, woraufhin er sie fragte, ob es leichter ist zu sagen, deine Sünden sind dir vergeben, oder steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher? (Mk. 2,7.9) Natürlich ist das letztere viel schwieriger. Und als Beweis, dass Jesus Sünden vergeben kann und somit Gott ist, heilte er den gelähmten. Auch Thomas, der Jünger Jesu, erkannte und bekannte nach der Auferstehung Jesu, dass dieser Gott ist. Als Jesus nach Seiner Auferstehung in den Raum kam wo seine Jünger waren, ging er zu Thomas, der nicht glaubte, dass Jesus auferstanden war, und forderte ihn auf, seine Hände in Seine Wunden zu legen, woraufhin Thomas sagt: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28) Auch Johannes bestätigt uns die Gottheit Jesu in seinem Prolog: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Dann heißt es weiter, über dieses Wort: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater) voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,1.14) Wir sehen also, Jesus werden in der Schrift Eigenschaften und Handlungen zugeschrieben, die nur Gott zugeschrieben werden. Auch dass Menschen vor ihm niedervielen und ihn anbeteten, und Jesus ihnen nicht wehrte, zeigt, dass er Gott ist (Luk 5,8).
Die Gottheit des Heiligen Geistes
Hierbei denken wir an die Begebenheit von Ananias und Sapphira aus Apg. 5. Das Ehepaar verkaufte ein Grundstück. Ein Teil von dem Erlös brachten sie zu den Aposteln, wohingegen sie den Rest heimlich für sich behielten. Daraufhin sagt Petrus zu Ananias: „Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Erlös des Feldes beiseitegeschafft hast?“ Woraufhin Petrus später ergänzend sagt: „Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott.“ (Apg 5,3.4) Hier wird der Heilige Geist als Gott bezeichnet. Gleichzeitig werden alttestamentliche Texte, die direkt von Gott stammen, dem Heiligen Geist zugeschrieben (Apg. 28,25-27). Zudem erklärt Paulus in 2. Kor 3,17: „Der Herr aber ist der Geist.“ Der Herr ist eine Bezeichnung die für Jahwe im Alten und Kyrios im Neuen Testament steht. Somit wird mit diesem Titel gesagt, dass der Geist Gott ist. Erneut halten wir fest, dass die Schrift die Lehre der Trinität unmissverständlich lehrt, auch wenn unser menschlichen Verstand zu begrenzt ist, diese zu verstehen.
3. Wesensgleich doch unterschieden
Gott ist also ein Gott, der aus drei Personen besteht. Dabei müssen wir sehen, dass alle drei Personen in ihrem Wesen vollkommen Gott sind. Der Sohn ist nicht weniger Gott als der Vater und der Geist ist nicht weniger Gott als der Sohn. Alle drei Personen der Gottheit haben die gleichen göttlichen Eigenschaften und Wesenszüge. Dennoch müssen wir ebenso klar betonen, dass die drei Personen zwar wesensgleich sind, aber sich dennoch voneinander unterscheiden. Dies wird schon allein daran deutlich, dass die Schrift von den drei Personen als „Vater“, „Sohn“, und „Heiliger Geist“ spricht.
Die Unterscheidung dieser drei Personen wird vor allem an ihren Werken sichtbar. Der Vater wird uns in der Schrift als der Schöpfer offenbart (Jes. 40,28). Der Sohn ist vom Vater darin unterschieden, dass er der Erlöser ist (Röm 3,24). Der Heilige Geist hingegen wird als der Mittler der Heiligen offenbart (Röm 8,26). In Bezug auf die Erlösung können wir folgende Unterscheidung der drei Personen sehen: Der Vater plante die Erlösung (Apg 2,23), der Sohn führte die Erlösung aus (Apg 5,30-31), und der Heilige Geist eignet die Erlösung zu (Joh 3,6-8). Daher sollte man beim Beten nicht den Vater dafür danken, dass er für uns am Kreuz gestorben ist. Nicht der Vater starb am Kreuz, sondern der Sohn. Wir danken den Vater dafür, dass er uns seinen Sohn Sandte, und wir danken Christus, dass er für uns starb, und wir danken dem Vater und dem Sohn, dass sie uns den Heiligen Geist sandten (Joh 14,26), der uns von unseren Sünden überführt (Joh 16,8), und uns die Wiedergeburt schenkte. Sehen wir, wie wichtig es ist, diese Unterscheidung der drei Personen zu machen?
Wir fassen also zusammen: Gott ist einer, der aus drei Personen besteht. Und obwohl alle drei Personen wesensgleich sind, sind sie voneinander unterschieden. Dies wird vor allem an ihren Werken, insbesondere im Werk der Erlösung deutlich. Wie sollten wir nun auf die Lehre der Trinität reagieren? Bei der Betrachtung solch erhabener Lehren, bleibt uns nichts anderes übrig, als in die Worte von Paulus einzustimmen:
„O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unergründlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm zuvor gegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“
(Röm 11,33-36)
Ein Artikel von Richard Friesen, Pastor der EBC Waiblingen
1 John MacArthur & Richard Mayhue – Biblische Lehre (EBTC 2020), S.255
2 Paul David Washer – Knowing the living God, S.17
3 Zitiert in: Benedikt Peters – Die Lehre von Gott Teil 2 (EBTC 2016), S.10
4 Joel R. Beeke Und Mark Jones – Systematische Theologie der Puritaner (3L 2019), S.94